Rücktritt

Nach den Vorkommnissen im Zusammenhang mit der Erstellung und Genehmigung des Voranschlags 2008 in den letzten sechs Monaten im Allgemeinen und bei der Gemeinderatssitzung am 31. März 2008 im Besonderen sah ich mich gezwungen, von meinen Funktionen als Stadtrat für Kultur und als Vorsitzender des Kulturausschusses zurückzutreten. Am 1. April 2008 teilte ich nach dreijähriger Tätigkeit unserem Bürgermeister schriftlich meinen Amtsverzicht mit. Ich danke meinem treuen Stammpublikum und den vielen KünstlerInnen, die ich in dieser Zeit willkommen heißen und engagieren durfte.

Das zum letztmöglichen Zeitpunkt vom Gemeinderat aufgrund eines Gegen- und Zusatzantrags beschlossene Budget verdient eigentlich seine Bezeichnung gar nicht, zumal schon im Antrag formuliert war, bis 1.6.2008 einen Nachtragsvoranschlag zu entwerfen. Tatsache ist, dass an die 3,5 Miliionen Euro für Kindergärten, Oberstufenrealgymnaisum, Friedhof, Straßenbau, Waldsanierung und Wohngebäudesanierung ausgegeben werden sollen, ein dagegen geradezu vernachlässigbarer Betrag von 85.000 Euro für Kulturveranstaltungen im Zusammenhang mit den Jubiläumsjahren 2008 (750 Jahre Deutsch-Wagram) und 2009 (200 Jahre Schlacht bei Wagram) nicht zur Verfügung stehen wird. Obwohl dieser Betrag, im Gegensatz zu allen anderen Vorhaben, seit über einem Jahr im Mittelfristigen Finanzplan verankert und entsprechend mit seriösen Kostenschätzungen untermauert ist. Ich möchte Sie an dieser Stelle nicht mit weiteren Details – und deren gäbe es viele – langweilen. Nur so viel: Diese Gemeinderatssitzung hat gezeigt, welchen Stellenwert die Kultur in der Parteienlandschaft Deutsch-Wagrams wirklich hat – nämlich gar keinen. Nur eine Stimme gab es gegen diesen Voranschlag, nämlich meine.
 
Am 1. April 2005 hieß ich Künstler und Publikum zu meiner ersten Veranstaltung willkommen. Kurioserweise am 3. Jahrestag muss ich schweren Herzens meinen Rücktritt bekanntgeben. Ich danke den Hunderten KünstlerInnen für ihre tollen Darbietungen in den letzten drei Jahren und den vielen BesucherInnen, die bei fast allen der über 50 Veranstaltungen anwesend waren.
 
Alle KünstlerInnen, Vereine und sonstige Institutionen, mit denen ich bereits mündliche Vereinbarungen für künftige Ereignisse getroffen habe, bitte ich um Verständnis dafür, wenn nicht alles so realisiert werden wird wie besprochen.
 
Bitte bleiben Sie der Kunst und Kultur treu,
Ihr Friedrich Ziehfreund

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